Freitag, 10. März 2017

[Gedanken] Rezensionsexemplar: Was wenn mir das Buch nicht gefällt, ich aber die Autorin super sympathisch finde?




Hallo ihr lieben,

ich schreibe diesen Beitrag, weil ich vor kurzem vor einem Dilemma stand. Denn uns hat eine Autorin angeschrieben, die uns ein Rezensionsexemplar angeboten hat. Anders als bei den meisten Rezensionsanfragen hat sich die Autorin wirklich mit unserem Blog beschäftigt. So kam es, dass wir auch über die Rezensionsanfrage hinaus im E-Mail Austausch standen und uns die Autorin wirklich sympathisch wurde. 

Als ich dann ihr Buch gelesen habe, auf welches ich mich wirklich freute, gefiel es mir so gar nicht. Ich habe mich wirklich gefragt, was ich tun soll. Denn bisher war es immer so, dass ich Bewertungen zwischen drei und fünf Büchern geben konnte. Dieses Mal bewertete ich das Buch für mich aber mit zwei Büchern :-(.

Nun ist es ja so, dass ich mit euch immer ehrlich sein möchte und deshalb bei der öffentlichen Rezension auch nicht mehr als zwei Bücher geben werde. Doch es tat mir in der Seele weh, das Buch so schlecht zu bewerten.

Ich wusste wirklich nicht so recht, wie ich damit umgehen sollte. Denn für den Autor (gemeint Autor & Autorin) sind die Bücher ja seine Babys. In den Romanen steckt sehr viel Herzblut, Zeit und Arbeit. Und wenn ich dann ein Buch schlecht bewerte, ist es für mich jedes Mal nicht leicht, wenn ich aber den Autor auch noch persönlich kenne oder ihn gerne mag, dann ist es für mich umso schwerer. Dennoch wäre es unfair allen anderen Büchern und Autoren gegenüber, wenn ich dann in speziellen Fällen ein Auge zudrücken würde. Und auch ihr hättet kein Vertrauen mehr in unsere Bewertung.

Letzten Endes habe ich der Autorin vor der Veröffentlichung meiner Rezension eine E-Mail geschrieben, in der ich sie darauf vorbereitet habe, dass ich das Buch nicht so gut fand, und schon einmal geschrieben, an was es lag. 

Was ich mit dem Beitrag aber eigentlich sagen wollte. Wenn ich ein Buch abbreche, schlecht bewerte oder die Bewertung nicht nach der Hoffnung des Autors ausfällt, heißt das ja nicht, dass ich den Autor als Mensch nicht mag oder ihn mit der Bewertung persönlich angreifen will. Auch heißt es nicht, dass ich die Arbeit nicht würdige oder keinen Respekt vor der Arbeit des Autors habe. Es ist aber nun mal so, dass die Meinung über Bücher immer subjektiv ist. Vielleicht hatte ich einfach eine andere Erwartung oder meine Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Vielleicht habe ich die Stimmung des Buches anders aufgenommen, wie es von dem Autor beabsichtigt war. Das könnte dann ja sogar an meiner eigenen Verfassung gelegen haben. 
Oder es gibt eine Sache in dem Buch, die mir nicht gefällt, die aber im Laufe des Romans immer wieder auffällt. Dann wird sie bei mir natürlich präsenter. Es kann aber auch sein, dass mir der Sprachstil, der Wahl der Worte oder einfach der Ausdruck nicht liegt, einem anderen Leser aber sehr gut gefällt. Natürlich auch möglich, dass mir die Geschichte an sich nicht gefällt oder ich die Charaktere nicht mag.

Aber egal aus welchem Grund mir das Buch nicht gefiel bzw. es von mir eine schlechte Bewertung erhält, ist es mir wichtig zu wissen, dass es nichts mit dem Autor persönlich zu tun hat. Und ich möchte, dass ihr wisst, dass ich alle Bücher gleich bewerte und kein Buch bevorzuge.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Wochenende.

Liebe Grüße
Claudia


Kommentare:

  1. Hi Claudia!

    Ja, das Gefühl kenne ich und ich find das auch immer etwas doof. Man möchte ja eigentlich etwas gutes tun, möchte aber auch ehrlich bleiben und es bleibt dann im Endeffekt auch nichts anderes übrig als in den sauren Apfel zu beißen.
    Ich hoffe, die Autorin hat deine Meinung verstanden, ist ja manchmal nicht so einfach. Aber eine Meinung ist eben, wie du so schön sagst, subjektiv.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      ja, die Autorin hat meine Meinung sehr gut aufgenommen und respektiert sie. Sie hat gesagt, dass ich meine Bewertung begründet hätte und es damit ja ok sei. Sie hat mich sogar bestärkt, dass ich kein schlechtes Gewissen haben müsse, wenn ich die Rezension hier poste.

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    2. Das ist natürlich schön, wenn es so läuft. Ich hab jetzt zum Glück erst zweimal die Erfahrung gemacht, dass ich gemerkt hab, wie enttäuscht die Autorin war und sie es nicht so ganz verstehen konnte, warum mir ihr Buch nicht gefällt. (weil es ja alle anderen so gut finden) Aber der Geschmack ist halt nunmal individuell und nicht jedem gefällt alles. Das hat eben auch nichts mit der Person dahinter zu tun und ich finde, Autoren sollten und müssen sich darüber im Klaren sein. Wenn man an die Öffentlichkeit geht kommen eben auch mal Meinungen, die nicht mit der eigenen konform gehen ;)

      Ich hab deinen Post heute in meiner Stöberrunde verlinkt da ich finde, dass es ein wichtiges Thema ist ;)

      Wünsche dir ein schönes Wochenende!

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  2. Hallo Claudia,
    das hast du sehr schön geschrieben. Ich selbst stand auch schon vor diesem Dilemma. Ich hatte die betroffene Autorin schon mehrmals persönlich getroffen (auf der Buchmesse), sie hat mich da mit Namen angesprochen, also erkennt sie mich auch wirklich im echten Leben. Ich habe alle ihre Bücher geliebt. Dann kam eine Reihe, mit der ich gar nichts anfangen konnte. 2 Federn. Es tat mir wirklich leid. Aber, ich möchte auf meinem Blog ehrlich bleiben und dann gehören auch negative Rezensionen dazu. Gut begründet müssen sie sein, aber ich finde, dass man sie nicht unter den Tisch fallen lassen darf.
    Unserem guten Verhältnis hat das übrigens keinen Abbruch getan ;-)
    LG
    Yvonne

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    1. Hallo Yvonne,

      vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht.

      Ja bin da auch deiner Meinung. Ich finde ein Blog, der nur gute Rezensionen hat, wirkt irgendwann auch nicht mehr glaubwürdig. Wobei man ja irgendwann weiß, was man gerne liest und ein Gespür entwickelt, was einem gefallen könnte. Aber 100% weiß man es halt vorher nie

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    2. Ja, das ist definitv so, dass man ein Gespür dafür hat, welches Buch einem gefallen könnte. Trotzdem gibt es immer mal irgendwelche Gründe dafür, dass es einem dann trotzdem nicht gefällt. Und manchmal greift man auch einfach daneben, auch wenn der Klappetnext einen angesprochen hat. Das passiert eher natürlich mal bei Autoren, die mir bis dahin unbekannt sind, als bei Lieblingsautoren.

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    3. Das stimmt. Aber wenn man nicht mal was Neues ausprobiert, dann finde man halt auch die Schätze nicht. Es gehört zum Lesen einfach dazu auch mal ein Buch nicht so schön zu finden.

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  3. Ein echtes Dilemma, aber letztendlich bleibt einem nichts anderes übrig, als ehrlich zu bewerten. Fair sollte es schon sein, z.B. leg ich an ein Kinderbuch andere Maßstäbe als an ein Philosophie-Buch für Erwachsene. Aber wenn es einem subjektiv einfach nicht gefällt, dann ist das eben so.

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    1. Ja das stimmt. Die Zielgruppe sollte man beim Bewerten immer im Auge behalten.

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  4. Ich kann Dich total verstehen. Bisher hatte ich zwar noch keinen so nahen Kontakt zu einem Autor (bin noch nicht so lange in der Szene), aber mir fällt das schon bei meinen Lieblingsautoren total schwer.
    Und letztens wurde mein erstes "richtiges" Rezensionsexemplar gleich auch mein erster Verriss. Ich habe da echt lange mit mir gekämpft und mir von Bücherfreunden die "Erlaubnis" geholt, dass ich so was schreiben darf.
    Gut, dass es Deine Autorin einigermaßen gut aufgenommen hat.
    Liebe Grüße
    Lilly

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    1. Ich bin mal gespannt was du berichtest, wenn du dann länger dabei bist. Mir geht es so, dass ich, seit ich blogge, Bücher ganz anders lese.
      Beim ersten Rezi-Exemplar hätte mich das auch total verunsichert.

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  5. Huhu,

    mir ging es mit zwei Autoren ähnlich.

    Bei einer stand ich im Private Nachrichten-Kontakt und habe mich super mit ihr verstanden. Allerdings komme ich oft mit ihren weiblichen Charkatere in Büchern überhaupt nicht klar. Aber sie nimmt Kritik total locker auf und hat mir dann sogar auch einmal abgeraten, dass ihr Buch vielleicht nichts für mich ist. Das ist also gar kein Problem gewesen.

    Bei einer anderen habe ich ein Rezensionsexemplar bekommen, was bei mir wirklich selten ist. Die Vorgängerbücher der Reihe gefielen mir sehr gut, aber der letzte Teil war nicht mehr meins. Ich habe auch überlegt ob ich alles ein bisschen netter formulieren soll wie sonst. Habe es aber gelassen. Ich denke, sie kommt ganz gut mit Kritik klar. Ich habe also meine Rezi gepostet und ihr eine E-Mail geschrieben, dass die Rezi nicht ganz so gut ausfiel wie die letzten. Eine Reaktion habe ich noch nicht. Aber wie gesagt, ich glaub nicht, dass sie es mir übel nimmt, denn so schlecht ist die Rezi ja auch nicht. Wir haben uns teilweise auch per E-Mail ausgetauscht.

    Ich denke auch, dass die Kritik ja nicht an den Menschen selbst geht sondern an die Bücher und die Meinungen gehen oft nun mal so weit auseinander, dass man einfach nicht bei jedem damit punkten kann. Ein guter Autor sollte meiner Meinung nach auch negative Kritik abkönnen, wenn sie nicht beledigend wird.

    Das ist ja das was viele nicht können. Schlechte oder schwächere Rezensionen schreiben. Aber wozu schreibt man dann Rezis, wenn man nicht auch mal etwas nicht so gutes mit reinbringt? Alles nur schönreden bringt doch auch nichts.

    LG Corly

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    1. Corly, da gibt es nichts hinzuzufügen. Ich bin da ganz deiner Meinung!

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    2. Huhu!

      Oh ja, das Gefühl kenne ich auch - dann sitzt man da und liest und fühlt dabei, wie einem das Herz sinkt, weil man das Buch so gerne lieben würde... Ich ändere meine Bewertung dann trotzdem nicht, weil ich es auch so sehe, dass es meinen Lesern gegenüber unfair und unehrlich wäre.

      Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfaht durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

      LG,
      Mikka

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  6. Hallo Claudia,

    das ist schwer, ja. Aber ich glaube, dass wir Buchblogger eben hinter unserer Meinung stehen müssen. Immerhin leben wir davon und die Autoren erst recht. Klar ist es besser für die Verkaufszahlen, wenn Bücher gut bewertet werden. Aber eine negative Kritik die konstruktiv ist, bringt einen Autor ebenfalls weiter. Und genau mit diesem Ansatz sollte man dann auch kein schlechts gewissen haben. Immerhin hat es ja wirklich nichts mit jemandem persönlich zu tun.

    Ich hatte mal eine Geschichte geschrieben und sie meiner Testleserin gegeben, die fand sie einfach nicht gut. Sie sagte mir auch, dass es nich an der Schreibe leigt, sondern einfach daran, dass sie die Handlung nicht so interessant findet. Gut, das war dann so. Aber ich wusste, woran es lag.

    Solange etwas Konstruktiv ist und ausreichend Begründet wird, dürfte das für alle Seiten verständlich sein.

    Liebe Grüße
    Henrik

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