Mittwoch, 11. November 2015

[Rezension] Tommy Jaud - Sean Brummel: Einen Scheiß muss ich - Das Manifest gegen das schlechte Gewissen


Klappentext:
*** Eine gut gelaunte, bodenlose Frechheit vom Comedy-Experten Tommy Jaud ***

Wir alle wissen: Mangelnde Faulheit kann zu Burnout führen. Dennoch leiden immer mehr Menschen unter maßlosem Müssen. Aber müssen wir wirklich abnehmen, aufräumen und uns ökologisch korrekt verhalten? Vorwärtskommen im Job, zu allem eine Meinung haben und rausgehen, wenn die Sonne scheint? »Nein!«, sagt US-Bestseller-Autor Sean Brummel alias Tommy Jaud (›Vollidiot‹, ›Hummeldumm‹), »einen Scheiß müssen wir! Die Leute sterben nicht, weil sie zu wenig Licht bekommen. Sie sterben, weil sie zu wenig Spaß haben.« 
Fasziniert von amerikanischen Ratgeber-Büchern und zugleich schwer irritiert vom wachsenden Trend des maßlosen Müssens, hat sich Comedy-Autor Tommy Jaud entschieden, selbst einen solchen Ratgeber zu schreiben. Da Jaud kein Amerikaner ist, hat er einfach einen erfunden: Sean Brummel. Dessen fiktiver Bestseller ›Do Whatever the Fuck You Want‹ ist jetzt auf Deutsch erschienen: ›Einen Scheiß muss ich. Das Manifest gegen das schlechte Gewissen‹.
›Einen Scheiß muss ich‹ ist kein Plädoyer für wurstigen Egoismus, sondern ein irrwitziger Befreiungsschlag gegen Bevormundung, Leistungswahn und Gemüseterrorismus.


Erster Satz:
"Womöglich fragen Sie sich, wer zum Teufel dieser Sean Brummel eigentlich ist."

Cover & Titel:
Ich bin ja überzeugte Coverkäuferin. Dies hier wäre jedoch kein Buch, welches ich nur wegen des Covers kaufen würde. Es ist mir eher ins Auge gefallen, weil es ein Buch von Tommy Jaud ist. Das Gütesiegel auf dem Cover steht sicher in Verbindung mit dem Titel und soll besiegeln was ich alles nicht tun muss. Ich würde dem Cover 3/5 Punkte geben, da der Titel ja durchaus witzig und provozierend ist. Und irgendwie macht der Titel auch neugierig

Meine Erwartungen:
Da ich alle anderen Bücher von Tommy Jaud kenne, hoffte ich auf ein super lustiges Buch. Ich hoffte auch, dass es besser sein würde als "Übermann", denn das Buch gefiel mir nicht so.
Ich war auch gespannt, was Sean Brumel im Leben alles nicht tun müsse und aus welchen Gründen. Ich freute mich auf eine witzige Geschichte


Meine Meinung zum Buch:
Leider gefiel mir das Buch nicht so. Das Buch ist eher ein Ratgeber in dem der Leser völlig überzogen erfährt warum er nicht aufräumen müsse, kein Sport treiben müsse und warum man als Angestellter ausgebeutet wird.
Da jedes Kapitel gleich aufgebaut ist und es eigentlich für alle Klischees eine Gegendarstellung gab, wurde es mir es recht schnell zu viel. Ich las das Buch in der Lovelybooks Leserunde und dort schrieb eine Leserin, dass sie irgendwann "satt" gewesen sei. Ich glaube besser kann ich es auch nicht beschreiben. Wäre es ein Buch gewesen, was ich mir für 17 Euro gekauft hätte, wäre ich wohl enttäuscht gewesen und hätte es weggelegt. Da es aber ein Rezensionsexemplar war las ich es zu Ende.

Das Buch an sich las sich aber gut, obwohl es sich zeitweise ganz schön hinzog.
Aber es ist auch nicht nur schlecht. Denn es hat einen tollen Aufbau. Die Schrift ist schön groß und die Kapitel wirklich übersichtlich gestaltet. Der rote Faden des "Maifestes" ist gut zu erkennen. Es gibt Hauptüberschriften und Untertitel. Und jedes neue Kapitel beginnt mit einer "Muss-Ankündigung" des Muss-Monsters sowie der Aussage, dass man es nicht tuen müsse. Außerdem hält er für den Leser immer ein Zitat parat, das als Gegenargument stehen soll.
Hier ein Beispiel:

"Ich muss weniger Alkohol trinken!"

"Einen Scheiß müssen Sie!
Und wetten, dass Sie sich nach diesem Kapitel ein Bier aufmachen? Oder zwei?"

"Packen Sie zwanzig Fremde mit Wasser in einen Raum und Sie haben ein paar anstrengende Gespräche. Machen Sie das Gleiche mit Alkohol und Sie haben eine Party." Frank Kelly Rich, Gründer des Modern Drunkard Magazine"

Außerdem hat Tommy Jaud für Abkürzungen andere Bedeutungen erfunden oder gar neue Ausdrücke kreiert. So steht die Abkürzung ADHS für Alkohol-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom und beschriebt Menschen, die das ganze Wochenende verplanen, weil sie viel erleben wollen. Oder auch die Abkürzung EGO, was "einen Gang ohne" bedeutet. Witzig sind auch die Checklisten, in denen Tommy Jaud dem Leser verschiedene Beispiele, Todos oder ähnliches auflistet. Ein Highlight waren für mich aber die "Sag´s noch mal, Sean"-Zusammenfassungen am Ende eines jeden Kapitels, da ich das vorher (ausgenommen in Lehrbüchern) noch nirgends gesehen habe.

Sag´s noch mal, Sean


Zitat
"Auch wenn Medien, Politiker und sogar Freunde nicht müde werden, uns mit zwanghafter Lebensoptimierung wahnsinnig zu machen - was genau ist falsch am Zweitbesten? Haben Sie jemals von einem Attentat auf den Vize-Präsidenten gehört? Oder vom tragischen Burnout eines Silbermedaillen-Gewinners? Und welchen Hollywoodfilm verreißt die Kritik lieber, den erfolgreichsten oder den zweiterfolgreichsten? Sehen Sie, da haben wir es schon. Und jetzt bedenken Sie nur, wie glücklich die Dritt-, Viert-, und Fünftbesten sein müssen!"

Fazit: Das Buch ist eine Art Ratgeber der für alle Klischees ein Argument bereit hält, warum man diese gerade nicht tun muss.


Am Ende des Buches habe ich jetzt wirklich Lust auf ein Brummelbock-Bier. Ja, das Bier gibt es wirklich. Schaut mal hier oder auf der Seite des Buches.
Außerdem gibt es zum Buch eine lustige Aktion. Bei dieser kann man sich "Einen-Scheiß-Muss-Ich"-Aufkleber bestellen, die man dann überall dort hinkleben kann, wo man gerade keine Lust drauf hat. Davon soll man dann ein Bild machen und es mit dem Hashtag #EinenScheißmussIch in sozialen Netzwerken posten. Dafür wird das Bild dann auf der Pinnwand gepostet.

Leseprobehier klicken
Webseite zum Buch: hier klicken

Bewertung:



Details zum Buch:
Autor: Tommy Jaud
Verlag: S. Fischer
Genre: Humor, Ratgeber
Erschienen am: 28. September 2015
Format: Taschenbuch; Klappenbroschur
ISBN Taschenbuch: 978-3-596-03227-3
ISBN E-Book: 978-3-10-403296-2
Seiten: 320
Preis: 16,99, €
Preis EBook: 14,99 €

Über den Autor:
Tommy Jaud ist ein deutscher Schriftsteller und Drehbuchautor.
Bereits mit seinem ersten Roman ›Vollidiot‹ landete Jaud 2004 auf Platz 1 der Bestsellerlisten, genauso wie 2006 mit dem nächsten »Hammer von Gegenwartsroman« (DER SPIEGEL): ›Resturlaub. Das Zweitbuch‹. Die Kino-Adaptionen beider Bücher lockten fast zwei Millionen Zuschauer an. Jaud entwickelte zudem das Drehbuch für die TV-Komödie »Zwei Weihnachtsmänner«, 2009 ausgezeichnet mit dem Deutschen Comedy-Preis. Es folgten das Drittbuch ›Millionär‹ und der Jahresbestseller ›Hummeldumm. Das Roman‹. 2012 veröffentlichte Jaud mit ›Überman‹ den letzten Teil seiner Simon-Peters-Reihe. 
Fasziniert von amerikanischen Bierfesten und Ratgeber-Büchern, aber auch schwer irritiert vom gesellschaftlichen Trend des maßlosen Müssens, entschloss sich Jaud 2014, eine Ratgeber-Parodie kalifornischer Prägung zu erfinden.
Wenn er nicht gerade fränkisches Bier in Paso Robles ausschenkt, lebt, feiert und arbeitet Tommy Jaud in Köln und Bamberg.

Danksagung
Ich bedanke mich ganz herzlich bei Lovelybooks für die tolle Leserunde, dem  S. Fischer Verlag und damit verbunden auch bei dem Autor Tommy Jaud für das Rezensionsexemplar und das mir entgegengebrachte Vertrauen.  Vielen Dank!

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